GAMES, INTERNET & MULTIMEDIA

ANREGENDES & KRITISCHES VON JÜRGEN KRODER

SO VERÖFFENTLICHT MAN SEIN EIGENES EBOOK – TEIL 2


DER STEINIGE WEG DES SELFPUBLISHING

Nachdem ich im ersten Teil von “So veröffentlicht man sein eigenes eBook” meinen (naiven) Einstieg in die eBook-Welt geschildert habe, möchte ich nun von meinen nächsten Erlebnissen, Erfolgen und Niederschlägen berichten.

Zusammenfassend kann man sagen: Auch wenn wir in einer digitalen Welt leben, in der alles so einfach erscheint – der Schein trügt. Ganz gewaltig! Licht und Schatten liegen hier ganz nah beieinander. Und immer wieder kommt die Frage auf: Warum muss das alles so kompliziert sein?

Fangen wir aber von vorne an. Bei etwas Positivem:

Erste Erfolgserlebnisse

Mein eBook in den Amazon Kindle Charts auf Platz 2

Mein eBook in den Amazon Kindle Charts auf Platz 2

Wie schon letztes Mal geschildert, ging mein eBook iPHONE FOTOGRAFIE FÜR EINSTEIGER beim eBook-Dienstleister XinXii schnell und einfach online. Und generierte dort auch erfreuliche Besucherzahlen, so genannte Views. Innerhalb weniger Tage hatte ich über 100 Views auf der XinXii-Produktseite. Es schien also Interesse da zu sein. Aber nicht genug, um bei den Seiten-Besuchern einen Kauf-Impuls auszulösen. Denn die Verkäufe betrugen Nullkommanull.

Das war zwar enttäuschend, aber entmutigte mich nicht, denn einen Streuverlust gibt es überall. Doch wie hoch ist dieser Streuverlust? Wie hoch ist der prozentuale Anteil von Views zu Käufern, der so genannten Conversion Rate? Das müssen die kommenden Wochen zeigen.

Neben den positiven Views freute ich mich noch über eine andere Sache: iPHONE FOTOGRAFIE FÜR EINSTEIGER erschien dank XinXii auch im Kindle-Store von Amazon. Ein erster, wichtiger Meilenstein war geschafft! Nicht nur das: Mein eBook positionierte sich gleich auf Platz 2 der Rubrik „Bestseller in Nachschlagewerke für Fotografie”.

Wow, das klang klasse! Aber ist das gut? Wie viel Verkäufe braucht man für solch eine Chart-Platzierung? Und wie lange kann ich mich bzw. mein eBook dort halten? Auf diese Fragen bekam ich erstmals keine Antworten. Denn die Amazon-Verkäufe kann man bei XinXii nicht in Echtzeit anschauen, sondern erhält sie mit mehreren Wochen Verzögerung. Ich musste also auch hier geduldig sein und abwarten, um zu wissen, ob und wie erfolgreich ich bin.

Somit kümmerte ich mich um weitere Dinge, es gab ja noch viel zu tun!

Partnerschaft mit epubli

Bei meinen Recherchen stieß ich neben XinXii auch auf den Anbieter epubli, hinter dem die namhafte Holtzbrinck-Verlagsgruppe steckt. Das klang gut und vertrauenerweckend, also meldete ich mich auch dort an.

Das Einstellen des eBooks gestaltete sich aber als recht umständlich. Während man bei XinXii nur sein eBook (in meinem Fall eine PDF-Datei) hochlädt und die Produktinformation eingibt, muss man bei epubli zuerst ein Book-on-Demand (BoD) gestalten. Denn der Fokus von epubli sind nicht eBooks, sondern Bücher, die man “on demand” drucken und sich nach Hause schicken lassen kann.

Nachdem man ein derartiges BoD angelegt hat, was zirka eine Stunde dauert, kann man quasi als “Abfallprodukt” daraus ein eBook generieren. Ganz schön umständlich, wie ich finde. Aber das Schöne daran ist, dass man als Ergebnis sein eBook in zwei Fassungen hat: einmal als Online/Download-Version und dann auch noch als echtes Buch zum Bestellen!

Haptisches eBook

Auch bei epubli.de kann man eBooks selbst publishen.

Auch bei epubli kann man eBooks selbst publishen.

Die Sache mit der gedruckten Ausgabe hat aber ihre Haken: Da die Druckkosten sehr hoch sind, muss man auch den Preis seines BoD-Buches entsprechend hoch ansetzen. In meinem Beispiel heißt das: Mein eBook kostet auch bei epubli nur 3,99€, die gedruckte Fassung aber 9,99€. Das eBook ist – wenn man es normal ausdrucken würde – in DIN A4 gestaltet, die BoD-Version nur ein DIN A6-Exemplar. Größere Formate würden den Preis auf 15, 20 oder mehr Euro treiben.

Und: Die Marge ist – wenn man die Käufer nicht abzocken will – deutlich niedriger. An einem eBook für 3,99€ bleiben mir bei epubli nach allen Abzügen zirka 2,30€, bei dem BoD-Buch sind es nur magere 1,20€. Sein eBook zum Anfassen, das ist also ein nettes Gimmick, eine Liebhaberei und ein tolles Geschenk für Freunde und die Familie – aber nichts, was sich wirtschaftlich rechnet.

In meinem Fall kam auch noch eine weitere Enttäuschung dazu: Ich habe mir mein gedrucktes eBook von epubli als Einzelausgabe bestellt. Darauf musste ich wegen Lieferschwierigkeiten drei Wochen warten. Und dann enttäuscht feststellen, dass der Buchrücken krumm und von den 50 Seiten nur 36 gedruckt wurden. Nach einer Mail an den Support habe ich das Buch wieder zurück geschickt und warte seitdem auf das Austausch-Exemplar.

iBooks, Thalia, Weltbild & Co

Bei Amazon war mein eBook iPHONE FOTOGRAFIE FÜR EINSTEIGER also drin und erfolgreich gestartet – damit war für mich ein wichtiger Meilenstein gesetzt. Nun galt es, noch bei weiteren eBook-Plattformen vertreten zu sein. Zum Beispiel bei Thalia, Weltbild, Hugendubel, PagePlace und natürlich Apples iBook. Hier gelistet zu werden, ist angeblich ganz einfach. Das versprechen zumindest XinXii und epubli. Leider ist die Realität deutlich umständlicher als die Theorie!

Denn die größte Hürde heißt ISBN,was für Internationale Standardbuchnummer steht. Die kennt man, wenn man zum Beispiel ein Buch nachbestellen will. Praktisch für den Buchkäufer – für mich aber die bislang größte Hürde, ja Mauer, in meinem Selfpublishing-Versuch. Denn um bei den restlichen Plattformen aufgenommen zu werden, braucht mein eBook eine ISBN. Diese zu erhalten, dafür gibt es verschiedene, nicht gerade triviale Wege.

So kommt man zur ISBN

Weg 1: Man kauft sich eine ISBN bei der Agentur für Buchmarktstandards. Diese kostet 85 Euro. Der Nachteil: Jede Fassung des eBooks – und damit sind auch die unterschiedlichen Formate wie PDF, ePub etc. gemeint – benötigt eine eigene ISBN. So kommen schnell ein paar hundert Euro zusammen. Geld, das man als frisch gestarteter Autor wahrscheinlich nie erwirtschaften wird.

Weg 2: Man kauft sich mehrere ISB-Nummern. Wie so oft, gibt es auch hier Rabatte. Und die sind gewaltig! Während man für eine einzelne ISBN 85 Euro bezahlen muss, kosten 10 Nummern (laut der Telefonauskunft der Agentur für Buchmarktstandards) “nur” 196 Euro, 100 Nummern 229 Euro. Der Haken an der Sache: Sobald man mehr als eine einzelne ISBN kauft, muss man beim Gewerbeamt einen Verlag anmelden. Lang lebe die deutsche Bürokratie!

Da also das Kaufen der ISBN für mich keine Lösung war, suchte ich weitere Wege. Zufälligerweise habe ich Bekannte, die bei kleinen Verlagen arbeiten. Die hätten mir gerne ISB-Nummern geschenkt. Das hätte aber neue Probleme aufgeworfen. Denn dann wäre mein eBook über die Verlage erschienen, wir hätten einen Autorenvertrag abschließen müssen, sie mein eBook anmelden etc. Der deutsche Papiertiger würde also auch hier zubeißen!

ISBN via XinXii, epubli & Co.?

Ein Relikt aus alten Buch-Zeiten: Die Agentur für Buchmarktstandards, bei der man die ISBN kaufen muss.

Ein Relikt aus alten Buch-Zeiten: Die Agentur für Buchmarktstandards, bei der man die ISBN kaufen muss.

Könnten mir vielleicht Partner wie XinXii oder epubli helfen? Jein. XinXii leider gar nicht, die verweisen darauf, dass ich als eBook-Autor mich selbst um meine ISBN kümmern muss. Epubli dagegen schenkt einem die benötigten ISBN. Aber: Da Thalia, Apple & Co auf das ePub-Format setzen (und mein Buch ein PDF ist), müsste ich mein eBook selbst ins ePub-Format umwandeln, indem ich mich in eine spezielle Software einarbeite. Oder ich nehme den kostenpflichtigen Konvertierungsdienst von epubli in Anspruch. Kosten: 79,95 Euro.

Geld ausgeben oder Zeit in Formate und Konvertierung stecken – ein No Go für mich! In meinem Selfpublishing-Versuch geht es ja darum, schnell und einfach als Laie nebenher ein eBook zu veröffentlichen.

So kam ich durch eine erneute Recherche auf den Anbieter Neobooks, der Ähnliches wie XinXii und epubli verspricht. Laut deren Webseite kriegt man kostenlos eine ISBN und das eBook wird konvertiert. Perfekt, die Lösung meiner Probleme, oder? Nein, leider nicht! Denn die eBooks, die man bei Neobooks einreicht, dürfen außer dem Cover keine Bilder beinhalten. Da mein Ratgeber iPHONE FOTOGRAFIE FÜR EINSTEIGER davon lebt, dass er mit vielen Fotos bebildert ist, hat sich dieser Hoffnungsschimmer hiermit auch aufgelöst.

Und nun?

Wie geht es nun weiter? Wie kriege ich mein eBook ohne großen Aufwand und ohne Investitionen bei iBooks, Thalia, Weltbild & Co. unter? Ehrlich gesagt: Keine Ahnung!
Dafür muss ich wieder Zeit investieren. Zeit, die ich mir eigentlich sparen wollte, da das Selfpublishing dank Internet und moderner Zeiten angeblich so einfach ist. Ist es aber nicht. Dafür entpuppt sich mein Experiment als ein langfristiges Projekt, bei dem der Weg wohl das Ziel ist.

Anstatt nun wie geplant mit PR und Marketing zu beginnen und darüber zu schreiben, konnte ich in diesem Teil von “So veröffentlicht man sein eigenes eBook” leider nur von weiteren Hürden berichten. Somit muss ich die Themen, die ich schon für diesen Teil angedacht habe, leider verschieben. Und mich wieder auf den Hosenboden setzen, recherchieren und den steinigen Weg eines eBook-Autoren weiter gehen.

Über was ich unter anderem in den nächsten Teilen berichten will:
-    Gibt es eine ISBN-Lösung?
-    Erste Umsatzzahlen
-    Start und Umsetzung von PR und Marketing
-    Weitere Erlebnisse

>> Teil 3 von SO VERÖFFENTLICHT MAN SEIN EIGENES EBOOK

Mehr zum Thema

>> Teil 1 von SO VERÖFFENTLICHT MAN SEIN EIGENES EBOOK

>> Teil 4 von SO VERÖFFENTLICHT MAN SEIN EIGENES EBOOK

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8 Kommentare zu “SO VERÖFFENTLICHT MAN SEIN EIGENES EBOOK – TEIL 2

  1. Pingback: SO VERÖFFENTLICHT MAN SEIN EIGENES EBOOK – TEIL 1 « GAMES, INTERNET & MULTIMEDIA

  2. Supernaut
    6. Februar 2013

    Bist Du bei Deinen Recherchen nicht auf den Self-Publishing-Anbieter http://www.bookrix.de gestoßen? Ist definitiv einen Blick wert.

  3. blackinmind
    6. Februar 2013

    Doch, auf die (und viele andere) bin ich auch gestossen. Warum ich mich gegen sie entschieden habe, weiß ich leider nicht mehr so genau. Ich glaube, es lag daran, dass ich XinXii zuerst gefunden hatte und die ja die ähnlichen Stores wie Bookrix abdecken. Und für die weitere Verbreitung, wozu man ja eine ISBN benötigt, eignet sich m.W. Bookrix auch nicht, da die einem ja auch keine ISB-Nummer schenken.

  4. blackinmind
    6. Februar 2013

    Somit schwöre ich aktuell auf Smashwords, denn die bringen dein eBook weltweit bei den wichtigsten Shops unter (Amazon, iBooks, Kobo) und das auch noch inkl. kostenloser ISBN und einem tollen Onlinetool, welches dein eBook automatisch (und ebenso gratis) in neun verschiedene Formate umwandelt.

  5. blackinmind
    6. Februar 2013

    So, gerade nachrecheriert: Bei Bookrix gibt es wirklich keine kostenlose ISBN!
    BTW: Hier gibt es eine tolle Übersicht, welcher Anbieter was bietet http://selfpublisherbibel.de/wer-druckt-mein-ebook-die-wichtigsten-self-publishing-anbieter-im-vergleich/

  6. Enno Lenze
    6. Februar 2013

    Puh, das klingt echt kompliziert. Ich kenne es aus Verlegersicht: Einen Dienstleister zu finden der die eBooks zuverlässig und zügig umsetzt ist selbst für uns schwer gewesen. Danke für den umfangreichen Bericht, wirklich interessant.

    Gruß, Enno Lenze

  7. blackinmind
    6. Februar 2013

    Danke fürs Feedback!
    Ja, der eBook-Markt ist echt kompliziert. Das muss sich ändern!!

  8. Irene aka Ebookautorin
    3. März 2014

    Mittlerweile kann man bei Neobooks auch E-Books mit Bildern veröffentlichen, habe das im Februar mit meinem Kaninchenratgeber durchgezogen. Die Fotos habe ich einzeln auf die Plattform hochgeladen. Das Ganze ist noch bisschen beta – wenn man z.B. ein Foto durch ein anderes ersetzt, kann man das nun überflüssige nicht löschen, sondern schleppt es hinter den Kulissen in der Epub-Datei mit. Das Problem habe ich aber übermittelt und als Antwort bekommen, dass man es an die Technik weitergibt.

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